Derzeit scheint Nordwest alles richtig zu machen: Die Zahlen sowohl vom letzten Jahr als auch die des bisherigen Jahresverlauf sehen mehr als gut aus, die Zahl der Mitglieder steigt und die beiden Vorstände Jörg Axel Simon und Michael Rolf verstehen sich offensichtlich hervorragend – davon konnten sich die Besucher der Jahrespressekonferenz in der Firmenzentrale Mitte Mai selbst überzeugen. Lesen sie hier die ausführliche Version des Berichtes aus dem Schloss- und Beschlagmarkt 7/22.
Mit Spaß an der Arbeit und an den erfreulichen Verläufen bei Nordwest präsentierte das Vorstandsduo Jörg Simon und Michael Rolf wieder in Präsenz die aktuellen Zahlen. Demnach kann die Handels AG per 30. April dieses Jahres bereits mit einem Geschäftsvolumen von 2,034 Milliarden Euro einem Anstieg von 33,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum vermelden.
Die positive Entwicklung erstreckt sich dabei weiterhin über alle Geschäftsarten. Beide Vorstände wiesen jedoch darauf hin, dass die Entwicklung im Zentralregulierungsgeschäft (+29,2 Prozent) und Streckengeschäft (+68,0 Prozent) insbesondere auf ein deutlich gestiegenes Preisniveau sowie auf einen Anstieg der abgesetzten Tonnage im Geschäftsbereich Stahl zurückzuführen sei. Im Lagergeschäft werde mit einem Geschäftsvolumen von 79,1 Millionen Euro der Vorjahreswert um 12,3 Prozent übertroffen. Zudem konnte die Anzahl der angeschlossenen Fachhandelspartner seit Jahresbeginn auf nunmehr 1.190 Partner gesteigert werden.
Im Geschäftsbereich Stahl sorgen weiterhin massive Preisanstiege sowie eine um 16 Prozent gestiegene Tonnagemenge für einen deutlichen Anstieg des Geschäftsvolumens. Mit 985 Millionen Euro wird der Vorjahreswert um 77,2 Prozent deutlich übertroffen. Im Kerngeschäftsbereich Bau-Handwerk-Industrie steigern sowohl der Bereich Bau mit einem Geschäftsvolumen von 174,4 Millionen Euro (+10,8 Prozent) als auch der Bereich Handwerk-Industrie mit einem Geschäftsvolumen von 352,7 Millionen Euro (+7,9 Prozent) ihr Geschäftsvolumen weiter deutlich. Hervorzuheben ist dabei in beiden Bereichen insbesondere die Entwicklung im Lagergeschäft. Mit einem Anstieg von 11,3 Prozent im Bereich Bau und 11,0 Prozent im Bereich Handwerk-Industrie werden hier zweistellige Wachstumsraten erzielt. Der Geschäftsbereich Haustechnik setzt die positive Entwicklung ebenfalls weiter fort, mit einem Geschäftsvolumen von 102,9 Millionen Euro (+9,7 Prozent). Der Bereich TeamFaktor/Services steigert sein Geschäftsvolumen auf jetzt 418,7 Millionen Euro und liegt damit 6,7 Prozent über dem bereits sehr guten Vorjahreswert.
Anschluss ans Vorjahr
Damit schließt der bisherige Geschäftsjahresverlauf an das an, womit das letzte Geschäftsjahr abgeschlossen wurde. 4,859 Milliarden Euro beträgt das Geschäftsvolumen im Jahr 2021 und mit 14,4 Millionen Euro wurde das bisher beste Ergebnis (EBIT) in der Unternehmensgeschichte erzielt. Darüber hinaus ist nach Unternehmensangaben auch die Anzahl der angeschlossenen Fachhandelspartner stetig weitergewachsen: Zum 31. Dezember 2021 ist die Zahl gegenüber dem Vorjahr um 44 Partner auf 1.169 Partner (67 Zugänge, 23 Abgänge) gestiegen. Mittlerweile sind es bereits 1.188 Partner.
Mit Blick auf die Entwicklung des Geschäftsvolumens hebt sich, wie schon im gesamten Jahresverlauf, insbesondere der Geschäftsbereich Stahl ab. Angetrieben – wie schon erwähnt – durch enorme Preisanstiege sowie einem Anstieg der Tonnagemengen wird im Geschäftsjahr 2021 mit 2,054 Milliarden Euro erstmals ein Volumen von mehr als zwei Milliarden Euro erzielt und das Vorjahr damit um mehr als 50 Prozent übertroffen. Mit einem Geschäftsvolumen von 1,156 Milliarden Euro wird auch im Bereich TeamFaktor/Services der bisherige Bestwert aus dem Vorjahr um fast 14 Prozent übertroffen.
Auch im Kerngeschäftsbereich Bau-Handwerk-Industrie schließt das Geschäftsjahr mit einer neuen Bestmarke ab. Mit einem Volumen von 1,389 Milliarden Euro wird das Vorjahresniveau um 13,3 Prozent überboten. Wachstumsmotor bleibt neben der guten Entwicklung im Zentralregulierungs- und Streckengeschäft (+13,2 Prozent) besonders die starke Entwicklung im Lagergeschäft (+14,5 Prozent). Auch hier wird mit einem Volumen von 187,3 Millionen Euro eine neue Höchstmarke erzielt. Der Bereich Haustechnik habe aufgrund der Akquisition neuer Fachhandelspartner, der konstanten Bestandskundenentwicklung sowie der zunehmenden Akzeptanz der Exklusivmarke mit 260,9 Millionen Euro einen Anstieg gegenüber dem Vorjahr von 1,8 Prozent erzielt.
Trotz des erfolgreichen Geschäftsjahres 2021 und den erfreulichen Start in das jetzige Geschäftsjahr ist eine Prognose über den weiteren Verlauf aufgrund des Krieges in der Ukraine, der Nahrungsmittelknappheit, explodierende Energiekosten, Inflation sowie der Zinserhöhungen schwierig bis unmöglich. Unter Vorbehalt erwartet das Nordwest-Management für das Jahr 2022 auf Konzernebene beim Geschäftsvolumen eine Entwicklung von -5,0 Prozent bis +10,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr, insbesondere in Abhängigkeit des Stahlgeschäftes. Daher sind die Fachmänner eher vorsichtig, was den weiteren Verlauf angeht. Oder wie es Simon formuliert: „Auch wenn das erste Quartal eigentlich super war, glaube ich nicht an ein entsprechendes Endergebnis.“
Viel Projektarbeit
Hinter den Zahlen stecken auch strategische Entwicklungen, die sich größtenteils auszahlen. So hat die Handelsgesellschaft unter anderem eine Lücke für sich entdeckt und im Geschäftsfeld Handwerk und Industrie den schweißtechnischen Händlern eine Heimat gegeben können. Daher werde dieser Bereich nun ausgebaut.

Ein wenig stolz ist man in Dortmund auf die derzeitige Lieferquote von 93 bis 94 Prozent, „das ist nicht das, was wir anstreben, aber im Vergleich zu anderen und angesichts der derzeit allgemeinen Situation ist das durchaus gut“, berichtet Simon weiter. „Besonders stolz sind wir auf unsere logistische Bestmarke, unseren Lagerumsatz mit über 210 Millionen Euro, denn ein zentraler Mehrwert von Nordwest für unsere Fachhandels- und Lieferantenpartner stellt unser Zentrallager in Gießen dar“, und ergänzt: „Unsere zuletzt getätigten Investitionen zur Prozessoptimierung und Steigerung der Versandqualität rentieren sich und sind zudem richtungsweisend für unser neues Logistikprojekt in Alsfeld.“ Die Planungen des Neubaus sind in vollem Gange und erste Meilensteine, wie die konkrete Ausführungsplanung, Festlegung der Partner auf Investorenseite und für Technik und Logistikabwicklung, sind erreicht. Auf bis zu 68.000 Quadratmeter Logistikfläche setzt Nordwest eines der derzeit größten und modernsten Logistikprojekte Deutschlands um. Mit dem neuen Lager soll der Versand von 10.000 Aufträgen in über 10.000 Paketen und 1.000 Paletten pro Tag möglich sein. Eine stolze Zahl, die den Ansprüchen an die zunehmend kleinteiligen Auftragsstrukturen und einem ungebrochenen Trend zur Endkundenbelieferung Rechnung trägt.

Wichtig sei auch das Thema Nachhaltigkeit, das ebenso eine wesentliche Rolle bei dem Neubauvorhaben des Dortmunder PVH-Verbands spiele. Die Gebäude- und Außenanlagen werden umwelt- und klimafreundlich konzipiert: Photovoltaikanlage, Wärmepumpe, LED-Beleuchtung, E-Ladestationen, wasserdurchlässige Parkflächen, Insektenhotels, Regenwassernutzung und ein volumenabhängiges Verpackungssystem zählen unter anderem zum weitreichenden Maßnahmenpaket. Rolf erklärt, dass umfassend nachhaltig agiert werde: „Hier an unserem Dortmunder Unternehmenssitz haben wir bereits einige Projekte umgesetzt. Dazu zählt der Einsatz einer hocheffizienten Kraft-Wärme-Kälte-Kopplungsanlage zur Energiebedarfsreduzierung, die Umstellung auf Ökostrom zur CO2-Einsparung sowie die weitere Anschaffung von Plug-in-Hybrid-Firmenfahrzeugen und zukünftigen elektrischen Poolfahrzeugen.“ Besondere Bedeutung misst Nordwest dem betrieblichen Gesundheitsmanagement, der internen Chancengleichheit von Frauen und Männern und der Förderung des Nachwuchses bei. Gesundes Essen im Betriebsrestaurant, eine umfassende Betreuung der Auszubildenden und seit Mai 2022 auch das neue Job-Rad-Angebot seien nur einige Maßnahmen. „Wir wollen dem Thema noch mehr Gewicht geben und haben zum zweiten Mal erneut unsere Lieferanten motiviert, an unserem Nachhaltigkeitspreis teilzunehmen“, betont Rolf. Aus über 50 Einsendungen wurden drei Gewinner gleichwertig von einer unabhängigen Jury ausgewählt und am 26. April 2022 im Klimahaus in Bremerhaven für ihr Nachhaltigkeitsengagement mit je 6.000 Euro prämiert.
Logistisch klug und ebenfalls nachhaltig sind die virtuellen Lager des Handelsunternehmens. Es hat sich an andere Lager wie etwa Soennenecken für Bürobedarf oder Picard für Wälz- und Kugellager angedockt. Ein Ausbau für Bereiche außerhalb der eigenen Kernkompetenz sei geplant.
Nordwest ist am 1. Januar 2022 der Euro Craft, der führenden B2B-, Marketing- und Einkaufkooperation Europas, beigetreten und hat damit den Platz für Deutschland eingenommen, nachdem das EDE ausgetreten sei. Österreich, Niederlande, Belgien, Frankreich, Spanien werden nach eigener Aussage gut von Nordwest bedient, der Rest eher wenig, fast nur Lagergeschäft und Stahl. Mit der Mitgliedschaft hofft Nordwest darauf die Marktposition aller Partnerunternehmen durch die Bündelung unser internationalen Einkaufskräfte zu stärken.
Doch es gibt auch Schwierigkeiten, an denen auch Nordwest nicht vorbeikommt: Der Fachkräftemangel macht sich besonders in der IT-Abteilung zu schaffen. „Obwohl bereits mehr als 100 Mitarbeiter in NW-IT tätig sind, haben wir noch 16 offene Planstellen. Die durchgängige Digitalisierung der Geschäftsprozesse hat deutlich zugenommen“, berichtet Simon und schildert die Problemantik, dass mobiles Arbeiten die Fluktuation erhöhe, es gleichzeitig gelte, das System zu schützen und das Unternehmen vor Cyberkriminalität. Derzeit arbeite 329 Menschen für Nordwest, im Laufe des zweiten Halbjahres 2022 sollen es mehr als 400 werden, aber auch hier gelte: qualifizierte Mitarbeiter zu finden ist schwer.
Einige der Mitarbeiter haben an der virtuellen Messe mitgearbeitet, auf der Händler ihre eigenen Bereiche für ihre Kunden hatten einrichten können. Es gab zwar großen Zuspruch, aber nur mäßigen Erfolg – das zeige deutlich, dass dies kein Ersatz für Präsenzmessen sei. Heute ist die virtuelle Messe ein Tool für die Kompass-Gruppe, das für individuelle Auftritte nutzbar ist.
Der vor einigen Jahren begonnene branchenweite Datenausbau in Zusammenarbeit mit Lieferanten und anderen Handelnden sei extrem herausfordernd, „weil viele Köche – Sie kennen das“, deutet Rolf die Anstrengungen augenzwinkernd an und ergänzt: „aber wir lassen nicht locker“. Um Shops, Warenwirtschaftssysteme und weitere Plattformen vernünftig mit Daten versorgen zu können, bedarf es vereinheitlichter und gepflegter Artikeldaten. Nordwest veredelt nach eigenen Angaben diese Lieferantenproduktdaten und stellt sie den Handelspartnern über die Plattform „NW365.Dataconnect“ zur Verfügung.
Zudem hat bereits Anfang 2022 eine neue Geschäftsidee Fahrt aufgenommen: die Zentralregulierung für Dritte; am 1. Januar 2022 begann die Zusammenarbeit mit einer ersten Verbundgruppe. Weitere sollen gewonnen werden. Darüber hinaus wird das Factoring-Geschäft mit Fachhandelspartnern und deren Kunden weiter ausgebaut, durch die Gewinnung neuer Vertriebspartner und erweiterten Dienstleistungen. Der Werk-Gedanke werde auch in den weiteren Unternehmensbereichen gelebt: Sei es mit dem umfassenden Leistungsverzeichnis für die Handelspartner, zusammengefasst in der Broschüre Mehrwerk – und neu ab diesem Jahr alle Leistungen und Vorteile für Lieferantenpartner, gebündelt im Lieferanten-Mehrwerk; dem Teamwerk für Mitarbeiterförderung und dem Systemkonzept Fachwerk, bei dem auch 2022 fünf bis sechs neue Standorte entwickelt werden sollen; oder aber dem Nextwerk – Zukunft PVH, das branchenweit Megatrends identifiziert und die Rolle des Handels weiter vorantreibt. So kommt beispielsweise schon heute im Nordwest-Service-Center künstliche Intelligenz zum Einsatz.
Es liegt also in mehrfacher Hinsicht ein sehr spannendes restliches Geschäftsjahr vor dem Dortmunder Handelsunternehmen und seinen Partnern.