Adrian Moog (l.) und sein Vorstandskollege der Nexi Home AG Christopher Zoggolis (r.) sind auf die digitale Zeitenwende eingestellt.
Adrian Moog (l.) und sein Vorstandskollege der Nexi Home AG Christopher Zoggolis (r.) sind auf die digitale Zeitenwende eingestellt. (Quelle: Archiv Moog Holding)

Smarte Gebäude 2021-09-28T09:18:02.416Z Zutritt per Laserscanner

Smarte Serie Teil 7

Wie digital gesteuerte Fenster gehören auch digitale Türen in die intelligente Vernetzung eines Smart Building. Im privaten wie im Geschäftsbereich. Die Technologien dafür sind vielfältig und ausgeklügelt und bedürfen fachlicher Kompetenz bei Herstellern und Händlern, damit sie Energieeffizienz, Komfort und Sicherheit schaffen. Wie gehen Hersteller und Händler die neue Herausforderung an?
Bärbel Rechenbach

Die Deutschen sind oft konservativer als allgemeinhin angenommen. Sie vertrauen – unabhängig der Preisfrage - noch mehr Herkömmlichen als Neuem, wenn es um die digitale Vernetzung eines Gebäudes geht. Im privaten Häuslebau wie im gewerblichen. Doch der Trend digitaler Zutrittskontrolle ist unaufhaltsam. Biometrische und Smartphone-basierte Technologien erobern das Bauwesen. Deshalb gehen Händler in die Offensive, setzen auf neue Geschäftsmodelle, erweitern ihr Angebot um digitale Lösungen und lassen sich schulen, offline sowie online. So hat sich auch die Wilhelm Marx GmbH & Co KG, Frankfurt/Main völlig neu aufgestellt.

Adrian Moog führt seit 2015 mit seinem Vater Klemens die Moog Holding Frankfurt/Main an und konsequent in die digitale Zeit. Solche Familienunternehmen sind heutzutage mehr als nur die kleinen Handwerksbetriebe von einst. Den Reigen der großen Global Player der digitalen Welt haben sie längst aufgemischt und stellen sich Neuem, warten mit blitzgescheiten Ideen auf, Mut und Handlungsbereitschaft. 300 Mitarbeiter bei Moog in fünf Unternehmen belegen das. Die Produkte sind up to date. „Als Systemanbieter haben wir jetzt das Know how von fünf Unternehmen gebündelt: Wilhelm Marx GmbH & Co. KG, Marx Intronic GmbH, Nexihome AG, KSH Datentechnik GmbH und Hinkel+Sohn GmbH. So können wir optimale Leistungen aus einer Hand anbieten und flexibel auf Kundenwünsche reagieren, vom klassischen Metallbau angefangen über digitale Sicherheitstechnik, Ausführung Haustechnik, T-Lösungen-Smart Home, bis hin zu 3-D-Visualisierungen für die Planung“.

Das Unternehmen arbeitet dabei eng mit unterschiedlichsten Anbietern zusammen und besitzt eine eigens gegründete Marx Academy. Händler, Lieferanten wie eigene Mitarbeiter können sich bei Herstellern über neuste Produkte und Anwendungen informieren und qualifizieren lassen.

„Wissen muss sich generieren und bündeln“, meint der junge Unternehmer, „um mit Spitzenprodukten im immer härter werdenden Wettbewerb zu bestehen. Ein Grund, warum Marx speziell für den Bereich Smart Home mit einem Frankfurter Unternehmen die Nexi Home AG ins Leben rief. Die kümmert sich herstellerunabhängig gezielt um das Vernetzen von Komponenten und unterstützt Kunden beim Bauen im Bestand, bei der Sanierung oder im Neubau.“

Gefragt sind dabei Visualisierungen individuell auf das jeweilige Kundenprojekt abgestimmt. Das spannendste Projekt, das derzeit gerade mit Nexi Home entsteht, ist die digitale Steuerung einer Privatvilla im Taunus. Als studierter Wirtschaftsinformatiker und Master of Business Administration ist Adrian Moog logischerweise an Neuheiten und cleverer Technik interesseiert, um diese auch empfehlen zu können.

Flatscan öffnen per Laser

Der BEA „Flatscan SW“ ist für ihn so ein neues Produkt der Superlative und zeigt, was eine smarte Drehflügeltür alles kann. Dieser Sensor generiert mit Laser (Lichtlaufzeitmessung) 170 Messpunkte, um die Türen mit nur einem Modul abzusichern beim Öffnen und Schließen (nach DIN18650/EN16005).

Der „Flatscan SW Sensor“ lasert (Lichtlaufzeitmessung) 170 Messpunkte, um eine Drehflügeltür sicher zu öffnen und zu schließen.
Der „Flatscan SW Sensor“ lasert (Lichtlaufzeitmessung) 170 Messpunkte, um eine Drehflügeltür sicher zu öffnen und zu schließen. (Quelle: Moog Holding)

Der Sensor in der oberen Türecke sichert die gesamte Tür mit bis zu vier Metern Diagonale. 

Das Erfassungsfeld des Sensors lässt sich dabei punktgenau einstellen. Sogar neugierige Kinderfinger im unteren Türbereich sind vorm Einklemmen geschützt. Weiter führt Adrian Moog Fingerprintscanner an, Transponder, digitale Türspione mit hochsensiblen Kameras und Codeschloss, wenn es um neue smarte Komponenten geht.

Kunden wollen intelligente Türen, die sich per Smartphone und Internetverbindung bedienen lassen. Auch aus der Ferne, einfach mit PIN oder SMS, die den einmaligen Zutritt erlaubt. Oder über Bluetooth, GPS oder NFC. Einer technologischen Revolution gleich kommt die Ultrabreitband-Technologie (UWB) als künftige Alternative zur momentan gängigen RFID-Technologie. Diese neue funkbasierte Kommunikation für den Nahbereich kann schnell, zuverlässig und präzise Daten für die Indoor- und Outdoor- Positionsbestimmung übermitteln.

Ein Auto, das per UWB -Signalen in Echtzeit Türen öffnen kann, produziert bereits Tesla.

Entwicklungswetteifer bei digitalen Schließanlagen

Der Wettstreit um optimale digitale Zylinder, Beschläge, Schlösser und Türsteuermodule ist in der Branche in vollem Gange. Kunden haben es immer schwerer, angesichts des ständig wachsenden Angebots den Überblick zu behalten. Doch sie wollen auf dem neusten Stand sein, wenn sie smart bauen. Eine sehr gute Orientierung zum Beispiel, um sich in den zahlreichen und verschiedenartigen Komponenten zurechtzufinden und das passende herauszufiltern, bieten etwa die Internet-Plattformen www.meinalarm24.de , https://digitalzylinder-shop.com/de , www.sicher24.de ,   www.kriminalberatung.de/digitaler-schliesszylinder oder die sehr informativen und verständlichen Webseiten der Hersteller wie Abus, Dormaka, Salto Systems oder Simons-Voss mit Verweis auf die zuständigen Fachhändler in den Regionen. Neuheiten sind am deutlichsten vermerkt. 

Die Zutrittstechnologien virtuelle Vernetzung, Funkvernetzung und Mobile Access sollten nahtlos miteinander funktionieren, um die Zutrittskontrolle flexibel, zukunfts- und funktionssicher zu gestalten.
Die Zutrittstechnologien virtuelle Vernetzung, Funkvernetzung und Mobile Access sollten nahtlos miteinander funktionieren, um die Zutrittskontrolle flexibel, zukunfts- und funktionssicher zu gestalten. (Quelle: Salto Systems)

So beispielsweise bei Salto etwa der „Neo“-Zylinder, eine Entwicklung, die sich sowohl in bestehende als auch in neue Türen integrieren lässt. Er reagiert nahtlos im virtuellem Netzwerk („SVN“ und „SVN-Flex“) von Funkvernetzung („BLUEnet“), Mobile Access („JustIN Mobile“) sowie der Cloud-Zutrittslösung „SALTO KS“. Dabei lässt er sich genauso einfach in Holz-, Glas- und Metalltüren installieren wie der Abus „wAppLoxx Pro Zylinder“. Ausgerüstet mit einem extra verstärkten Aufbohr- und Ziehschutz sowie einer auslesegeschützten Funkverbindung zwischen Transponder und Zylinder („Mifare Desfire EV1“ im „Secure Mode“) soll dieser Einbrüche verhindern. Ein Kriterium, das beim Bau von Smart Buildings neben dem Komfort immer entscheidender ist. Der Abus-Zylinder ist über Computer sowie per Smartphone-App bedienbar. Besonders kleiner und mittlerer Gewerbeobjekte mit bis zu 32 Türen und 500 Benutzern profitieren von dieser innovativen Technik. Das Erfassen und Verwalten von Schließplan, Berechtigungen, Zeitplan und Protokollen regelt die zentrale Steuereinheit „wAppLoxx Pro Control“. Sogar verlorengegangene Datenträger/Transponder können damit reprogrammiert werden. Deister electronic beispielsweise wirbt bei seinen digitalen Schließkomponenten für seinen eigenen Funkstandard „airLink“. Seine Reichweite innen beläuft sich auf bis zu 30 Metern und außen bis zu 100 Metern. Die 128-Bit starken AES-Verschlüsselung soll für Datensicherung sorgen.

Mit dem „Evolo smart“ lassen sich Türen zum Beispiel über RFID-Medien wie Schlüsselanhänger oder Ausweiskarten öffnen.
Mit dem „Evolo smart“ lassen sich Türen zum Beispiel über RFID-Medien wie Schlüsselanhänger oder Ausweiskarten öffnen. (Quelle: Dormakaba)

Schüco stellt auf seiner Webseite überzeugend das „DCS“-Türkommunikationssystem als modulare Lösung vor. Statt Schlüssel lässt sich die Tür per Fingerprint öffnen. Nicht zu vergessen – das Design der Tür. Für Häuslebauer sicher kein unwichtiger Fakt. Da sich das Modul im Türfalz der Innenseite befindet, bleibt das Türdesign unberührt.

Schlüssel erzeugt Energie selbst

Ein großes Potenzial, um Smart Building voranzutreiben, liegt im Verwalten größerer Wohn- und Büroquartiere. Hier bestehen riesige Reserven im Smart Building und damit in Komfort, Energieeffizienz und Betriebskostensenkung. Deshalb nutzen Hersteller und Händler von Tür- Schließ- und Sicherheitslösungen Fachmessen, wie zum Beispiel beim 29. Verwaltertag Ende September 2021 in Berlin. Auch Assa Abloy nutzte die Gelegenheit, um ihre „Türen der Zukunft“ vorzustellen. Diese sind nicht nur mit neuartigen, multifunktionalen Schließanlagen und Türschließern versehen. Zusätzlich besitzen sie entsprechende Brandschutz-, Rettungs- und Fluchtwegtechnik. Gezeigt wurden Schließanlagen der Produktfamilie „CLIQ“, für kleinere sowie größere Wohnobjekte mit 200.000 Zylindern. Zylinder wie Schlüssel mit integriertem Chip bieten sowohl digitale als auch mechanische Sicherheitsfunktionen. Als Baukastensystem können mit der Schließlösung neben Türen und Toren auch Fenster, Briefkästen, Schränke und Vorhängeschlösser bedient werden. Mit dem batterielosen „eCLIQ“-Schlüssel „Spark“ präsentierte Assa Abloy ebenfalls einen Schlüssel der Energie selbst erzeugt. Während des Schließens sowie des Prüfens der Zugangsberechtigungen erzeugt der Generator im Schlüssel benötigte Energie. Eine Weltneuheit, die ab sofort im Handel erhältlich ist. Über die „CLIQ Go“-App per Handy, Tablet und Cloud kann die Schließanlage flexibel und sicher verwaltet werden. Im Messefokus standen zudem die barrierefreien Türschließer des Herstellers, die aufgrund „Cam-Motion“- oder „Free-Motion“-Technik leicht zu handhaben sind.

Für das Steuern smarter Türen über Bluetooth bietet Abus den Türschlossantrieb „HomeTec Pro“.
Für das Steuern smarter Türen über Bluetooth bietet Abus den Türschlossantrieb „HomeTec Pro“. (Quelle: Abus)

Fest steht: Die Vorteile smarter Türen und auch Toren liegen klar auf der Hand und werden sicher die Zukunft bestimmen. Denn:

1. Das schlüssellose Bedienen von nahen oder aus der Ferne sorgt für Komfort.

2. Bei Schlüsselverlust lassen sich jeweiligen Schlüssel schnell und sicher ausprogrammieren.

2. Zutrittsberechtigungen können komfortabel, flexibel und leicht gesteuert, verändert oder angepasst werden. 

3. Zutritte können protokolliert und damit kontrolliert werden. 

4. Interne Transponder bieten Kopierschutz.

5. Das Design der Tür bleibt unbeeinträchtigt, da sich die Schließkomponenten unauffällig integrieren lassen.

6. Das Verwalten smarter Türen, eingebunden in das smarte Netz, erspart Wege und damit Betriebskosten und Energieeffizienz.

Jeder kennt die kleine rechteckige Grafik, die fast wie ein schwarz-weißes Labyrinth aussieht. Scanner können diesen QR-Code lesen und erhalten die Informationen, die in dem QR-Code gespeichert sind. Mit einem QR Code kann heute alles ein Schlüssel sein. Ob Smartphone, Karten, Ausweise oder Dokumente. Ein einfaches System wird zum Zugangsmanagement. Auch für Tür und Tor, für jeden und jede, der oder die über den Code verfügt. Verwaltet wird der QR-Code über eine Cloud-Lösung. Wird der Code vom Scanner erkannt und gelesen, öffnet sich entsprechende Tür in Echtzeit aus dem Verwaltungsportal heraus. Das ist sicher und vermeidet teure Schlüsselfahrten und -übergaben. QR ist die deutsche Bezeichnung für Quick Response (schnelle Reaktion).

zuletzt editiert am 28. September 2021
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