Das Ift Rosenheim hat erneut Digitalkompetenz bewiesen: Nach der überzeugenden digitalen Umsetzung der Tür- und Tortage im Sommer folgte nun der Rosenheimer Online-Dialog, zum ursprünglichen Termin der coronabedingt abgesagten Rosenheimer Fenstertage. Ort des Geschehens: das Aufnahmestudio des Ift. Von hier aus gingen für die rund 100 teilnehmenden Firmen Livestreams zu unterschiedlichsten Themen „on air“. Es warteten keine Fachvorträge auf die Online-Gäste, sondern moderierte Gesprächsrunden. Ein digitaler Meeting-Point am Nachmittag ermöglichte mithilfe einer Buchungsfunktion, sich mit Ift-Experten individuell per Videochat auszutauschen.
Manch ein Zuschauer, der bei beiden Online-Veranstaltungen des Ift „eingeschaltet“ hatte, wird sich fragen, ob Manfred Stoff, Marketingleiter und Mitglied der Geschäftsleitung des Ift Rosenheim, insgeheim lieber Fernsehmoderator geworden wäre und nun, „dank“ Corona, dieser geheimen Leidenschaft nachkommen kann. Er führte auch diesmal wieder versiert und unterhaltsam durch das Programm, das aber – im direkten Vergleich zu den Tür- und Tortagen – inhaltlich reduzierter wirkte und vor allem durch eigene Kräfte des Ift bestritten wurde. Auch die Inhalte der Talkrunden des Online-Dialogs waren teils sehr Ift-zentriert, und mehr externe Talk-Gäste hätten der Online-Veranstaltung sicherlich gut getan.
Kein Ersatz für die Fenstertage
Die Idee zum Rosenheimer Online-Dialog entstand im Zuge der coronabedingten Absage der Rosenheimer Fenstertage. „Dass die Rosenheimer Fenstertage nicht einfach ins digitale Format transferiert werden können, war uns im Frühjahr sehr schnell klar. Die Veranstaltung lebt zu sehr vom Networking und der Interaktion der Teilnehmer untereinander“, erläuterte Institutsleiter Professor Jörn P. Lass. Dennoch fehlte es nicht komplett an der Interaktion mit den Zuhörern, die immer wieder über die Chatfunktion Fragen einbrachten, die direkt live in den einzelnen Talkrunden beantwortet wurden. Auch für die einwandfrei funktionierende Technik gebührt dem Ift Anerkennung.
Die Inhalte in den fünf moderierten Dialogen waren relativ breit gefächert und betrafen nicht nur fachliche Themen. In der ersten Talkrunde berichteten Institutsleiter Lass und Ift-Geschäftsführer Dr. Jochen Peichl über Neuigkeiten aus der Managment-Ebene des Instituts. Hier drehte sich natürlich vieles darum, wie das Ift bisher durch die Krise gekommen war. „Wir backen dieses Jahr kleinere Brötchen, sind aber nicht in unserer Existenz gefährdet“, fasste Peichl die Lage zusammen. Vor allem die Akademie und damit der Veranstaltungsbereich habe sich neu erfinden müssen angesichts der Situation, dass Rosenheim schon früh in der Pandemie zeitweise zum Risikogebiet erklärt wurde. Aus heutiger Sicht, mit Stand Ende Oktober über 350 Corona-Risikolandkreisen in Deutschland, ist das aber fast eine Randnotiz. Geholfen habe dem Ift, in die Prüfung von Atemschutzmasken eingestiegen zu sein, die medizinisches Personal vor einer Ansteckung mit dem neuartigen Corona-Virus schützen können. Der Vorschlag, für diese Produkte Prüfverfahren zu entwickeln, sei ein Vorschlag eines Mitarbeiters gewesen, der sehr schnell umgesetzt wurde, wie Peichl ein wenig stolz erzählt: „Das Ift mutierte zum Start-up.“ Der Bereich soll zukünftig weiter ausgebaut werden.
Auf Baustellenbesuch
Bevor die nächste Talkrunde startete, ging es erst mit Moderator Stoff auf die Baustelle des neuen Ift-Labors „Bauakustik und Fassaden“, das kurz vor der Fertigstellung steht. Dort werde der normale Messbetrieb ab 2021 starten. „Die fertig eingerichteten Prüfstände liegen unter dem Weihnachtsbaum“, wie Stoff augenzwinkernd anmerkte.
In der darauffolgenden Talkrunde mit dem Titel „Welche Updates erwarten uns bei der Montage?“ berichteten die Mitarbeiter Wolfgang Jehl und Kilian Kneidl vor allem von Neuerungen und Erweiterungen des Montageplaners. Zudem war die zweistufige Montage mit Montagezarge ein Thema.
In der Runde, die unter der Frage stand „Wie werden multifunktionale Fassaden geplant, gesteuert und geprüft?“ diskutierten Christian Anders, Leiter des technischen Ausschusses des VFF, und Michael Breckl-Stock vom ift über neue Möglichkeiten und neue Anforderungen an die Fassade. Hierbei wurde auch der neue Ausbildungszweig „Projektmanager Fenster + Fassade“ des Instituts vorgestellt.
Für die nächste Talkrunde war Frank Lange, Geschäftsschäftsführer des VFF, zu Gast und sprach mit Professor Lass darüber, was Deutschland tun muss, um bei Fenstern, Türen und Fassaden Innovationsführer zu bleiben. Das Produkt sei der Innovationsgeber, erklärte Lange, „aber ein innovatives Produkt nützt nichts, wenn es keiner haben will“. Man müsse die Kunden mehr mitnehmen und die Produkte bekannter machen. Der Kunde müsse erst einmal wissen, was es überhaupt am Markt gibt, „nur dann kann er es auch haben wollen“. Auch serviceseitig gebe es Optimierungspotenzial.
Die letzten Talkrunden des Tages drehten sich um die Themen Glasdimensionierung und die Zukunft von virtuellen Tests und Audits – mit diesen hatte das ift in den vergangen Monaten viel Erfahrung sammeln können.
Weitere Online-Dialoge in Planung
Das Ift hat seit April intensiv in Kompetenzen und Studiotechnik zur Durchführung von Onlineformaten investiert. „Aus heutiger Sicht haben wir einen enormen Digitalisierungsschub durchgemacht“, stellte Dr. Peichl fest. Mittlerweile stehen laut Institut ein Aufnahmestudio und die nötige Erfahrung zur Verfügung, was von Kundenseite bereits durch entsprechende Anfragen zur Nutzung der Ift-Kompetenz und -Services auf diesem Sektor honoriert werde.
Das Ift Rosenheim will das neue Format des Rosenheimer Online-Dialogs im Jahr 2021 intensiv nutzen, um Kunden und interessierte Bauexperten schnell und kompetent über wichtige aktuelle Themen und Probleme zu informieren. Derzeit seien bereits die Themen „Montage“, „Persönliche Schutzausrüstung“ sowie „begrünte Fassade“ in Planung.
Umsatz des Ift trotz Pandemie stabil
Auf der Jahrespressekonferenz des Ift, die normalerweise am Vortag der Rosenheimer Fenstertage stattfindet und in diesem Jahr auf den Vortag des Rosenheimer Online-Dialogs gelegt wurde und digital stattfand, hat das Ift seine vorläufige Bilanz bekannt gegeben. Demnach rechne das Institut für 2020 mit einem Gesamtumsatz von 22,1 Millionen Euro. 2019 seien es 21,7 Millionen Euro gewesen.
Stand 30. September 2020 zähle das Ift 540 Mitglieder, 2019 waren es zum Termin der Jahrespressekonferenz 536 Unternehmen. 51 Prozent der Mitglieder sind Hersteller und 38 Prozent Systemhäuser beziehungsweise Zulieferer. Der Vorsitzende des Vorstands, Oskar Anders, ging in seinem Statement vor der Presse vor allem auf die Auswirkungen der Pandemie ein: „Die Corona-Pandemie ist natürlich auch am ift Rosenheim nicht spurlos vorübergegangen und hat uns im März ernste Sorgen bereitet – so ging es ja fast jedem Entscheider in Deutschland. Allerdings hat sich im April und Mai die Lage entspannt, weil die Geschäftsführung richtige Gegenmaßnahmen ergriffen und mit dem Betriebsrat abgestimmt hat, beispielsweise die Einführung von Kurzarbeit, die Überarbeitung des Investitionsplanes sowie den schnellen Ausbau von digitalen Services. Hinzu kam, dass in Rekordzeit ein Prüfbereich für Atemschutzmasken aufgebaut wurde, der die Umsatzsituation verbessert hat. Bemerkenswert ist, dass diese Idee aus dem Kreis der Mitarbeiterschaft gekommen ist. Im Gegensatz zu den Kerngeschäften Prüfen und Zertifizieren hat die ift Akademie aber unter Corona besonders gelitten und wird 2020 nahezu drei Viertel des Umsatzes verlieren. Aber auch hier war die Pandemie ein Katalysator, der den Aufbau eines umfassenden Online-Angebots enorm beschleunigt hat. In 2021 werden alle Angebote der ift Akademie Online-Anteile enthalten und damit die berufsbegleitende Weiterbildung vereinfachen. Das gilt auch für die neue Qualifikation zum Projektmanager.“ In Summe könne festgestellt werden, dass das ift Rosenheim nicht in seiner Existenz gefährdet sei und, so Anders, „wir in 2020 wohl mit einer schwarzen Null davonkommen werden. Der Zwang zur stärkeren Digitalisierung und die hierfür notwendigen Investitionen haben aber die Marktposition für 2021 verbessert.“
